(57) Leben bis zuletzt – ein Gespräch über das, was am Lebensende wirklich zählt
Shownotes
Was bedeutet es, Menschen am Lebensende zu begleiten? Moderatorin Dr. Tabea Stoffers spricht mit Thea Rabenau, Koordinatorin des Ambulanten Evangelischen Hospizdienstes Siegerland, und der ehrenamtlichen Hospizbegleiterin Christa Flick über die Begleitung schwerkranker und sterbender Menschen, bewegende Begegnungen und die kleinen Momente, die am Ende oft besonders wichtig werden. Ein Gespräch über Abschied, Nähe und würde – und darüber, warum Hospizarbeit vielleicht weniger mit dem Tod als vielmehr mit dem Leben zu tun hat.
Im Podcast empfohlene Links: Ambulanter Evangelischer Hospizdienst Siegerland: www.hospiz-siegen.de Dachverband - Deutscher Hospiz- und Palliativverband Berlin: www.dhpv.de Wegweiser Hospiz- und Palliativversorgung: www.wegweiser-hospiz-palliativmedizin.de ALPHA NRW: alpha-nrw.de Palliativnetz Siegen-Wittgenstein-Olpe: www.palliativnetz-siegen-wittgenstein-olpe.de Angebot für Kinder und Jugendliche lebensbedrohlich erkrankter Eltern im Kreisgebiet Siegen-Wittgenstein „Hörst du mich?“: caritas-siegen.de
An dieser DiSPod-Folge waren beteiligt: Moderation: Dr. Tabea Stoffers Studiogäste: Thea Rabenau, Christa Flick Produktion: Kristina Hammer
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00:00:05: In dieser Welt ist nichts gewiss, außer dem Tod und den Steuern.
00:00:18: Dieses Zitat des US-amerikanischen Staatsmannes und Erfinder Benjamin Franklin macht deutlich, dass wir alle uns eines Tages mit unserem Tod auseinandersetzen müssen.
00:00:28: Trotzdem verdrängen viele Menschen den Gedanken an die eigene Endlichkeit – doch gibt es auch Menschen, die sich ganz bewusst mit diesem Thema beschäftigen!
00:00:37: Mehr noch die Menschen genau in dieser letzten Lebensphase begleiten.
00:00:42: Und das zu Hause im Pflegeheim oder auf der Palliativstation?
00:00:48: Genau darüber spreche ich heute mit Herr Rabenau.
00:00:50: Sie ist Koordinatorin des ambulanten evangelischen Hospizdienstes Sigarland und außerdem ist bei mir Christa Flick, sie begleitet ehrenamtlich Menschen am Lebensende und gibt uns heute einen Einblick in ihre Arbeit.
00:01:03: Herzlich willkommen Ihnen beiden hier in unserem Studio!
00:01:06: Und herzlich willkommen an alle Zuhörer da draußen.
00:01:09: Mein Name ist Tabeja Stoffers und ich darf Sie zu einer weiteren Folge unseres Diakonie-Podcasts Dispod Gesund und Sozial begrüßen.
00:01:17: Frau Rabenau, wenn Sie Ihren Dienst diesen ambulanten Hospizdienst in einem Satz beschreiben müssten.
00:01:23: Wie sieht so ein typischer Arbeitstag bei Ihnen aus?
00:01:26: Was machen sie?
00:01:27: Ja ich bedanke mich erstmal für die Einladung.
00:01:30: Herzlichen Dank dass wir kommen durften.
00:01:33: zu Ihrer Frage!
00:01:34: Mein Arbeitstag sieht so aus das der jeden Tag eigentlich ein bisschen anders ist.
00:01:40: es gibt zwar einen roten Faden für meine Arbeit Meine Kernaufgaben, die ich wahrnehme als Koordinatorin wie Erstgespräche führen mit Patienten, die sehr schwer erkrankt sind.
00:01:52: Wir führen auch Schulungen durch für ehrenamtliche Auszubildende.
00:01:58: Ich betätige den Bereich Öffentlichkeitsarbeit und habe natürlich auch administrative Aufgaben zu erledigen.
00:02:06: Büroarbeiten das ist sehr vielfältig Und jeden Tag ein bisschen anders.
00:02:14: Sie sind also die einzige Festangestellte für einen eigentlich ehrenamtlichen Dienst?
00:02:20: Zurzeit sind wir zu zweit im Dienst, mein Kollege Armin Nossamos als Seelsorger der auch mit mir die Ehrenamtliche Ausbildungsgruppen leitet, die Schulungen durchführt und auch für die Seelsorge im Evangelischen Hospiz zuständig ist.
00:02:37: Und zurzeit hilft uns eine ehrenamtliche Kraft noch bei dem Büroarbeiten.
00:02:43: Sie haben schon gesagt, sie bilden also aus.
00:02:45: Das heißt Ehrenamtlichke, die sich für den Dienst interessieren werden geschult von ihnen und können dann auswählen in welchen Einsatzbereichen sie tätig werden.
00:02:55: Wo ist das möglich?
00:02:56: Hat er eben schon gesagt zu Hause im Pflegeheim?
00:02:59: Können Sie dazu was sagen?
00:03:00: Ja wir haben zur Zeit ... In diesem Jahr achtundvierzig ehrenamtliche MitarbeiterInnen, die in fünf Arbeitsbereichen, in fünf Aufgabenfeldern tätig sind.
00:03:12: Dazu gehört einmal das evangelische Hospiz am Jungstilling Krankenhaus.
00:03:17: Die Palliativstation des Jungstillings Krankenhauses hat dann ein anderes Team.
00:03:24: Dann gibt es noch die Pflegeheime, die müssen jetzt nicht zwangsläufig der Diakonie angehören, die häusliche Umgebung.
00:03:32: Also das eigene Zuhause und eine Einrichtung für Menschen mit Behinderungen.
00:03:39: Das sind also fünf Aufgabenfelder.
00:03:42: Frau Flick, Sie sind ja in diesem Ehrenamt tätig?
00:03:46: Wie sind Sie überhaupt zum Ehrenant gekommen?
00:03:49: Ja, also das ist schon ein Weile her, genauer gesagt, im Jahr zwei Tausendsechzehn.
00:03:55: Dazu bin ich gekommen weil mein Vater ihm pflegeheim war Und ich ihn besuchte und... Ich kam immer an einem Wohnzimmer vorbei, wo viele Bewohner saßen.
00:04:06: Und dann bin ich vorbei gehuscht!
00:04:08: Und plötzlich sagte eine Bewohnerin Frau Flick sie haben ja noch gar nicht guten Tag gesagt.
00:04:15: Hubs dachte ich, hm, die warten auf einen guten Tag?
00:04:21: Ja, dann habe ich mich zu den Damen gesetzt und es waren dann auch Personen dabei, die keine Angehörigen hatten Und dann habe ich erst mal festgestellt, wie einsam manche Menschen sind.
00:04:33: Dann kam eines Tages die diensthabende Leiterin und sagte Frau Flick, wollen Sie nicht mal einen Kurs machen?
00:04:40: Bei der Diakonie wird das angeboten!
00:04:42: Ja, das habe ich gemacht und seitdem bin ich
00:04:45: dabei.
00:04:46: Aber der Sprung vom Besuchsdienst zum Das ist ja ein Kurs dann zur Sterbebegleitung.
00:04:53: Haben Sie nicht erst geschluckt und gesagt, ich wollte eigentlich nur einen guten Tag wünschen?
00:04:57: Nein, nein!
00:04:57: Ich habe im Pflegeheim eine Dame bis zum Ende noch begleitet.
00:05:01: Das war der Ausgangspunkt, warum ich da doch ein Jahr zugefunden
00:05:07: habe.
00:05:07: Ich
00:05:08: hab diesen Kurs gemacht, er zog sich so über ein Dreivierteljahr hin ... Und es war so mit hundert Stunden, geht auch an einem bestimmten ja einer Leitlinie vorbei.
00:05:21: Das war also schon für mich auch sehr aufschlussreich.
00:05:26: das Ganze und die Leute, die man kennengelernt hat im Kurs waren sehr nett und man hat da wirklich Beziehungen auch geknüpft.
00:05:35: Und untereinander, dass man auch sehr gut dann nachher in die Arbeit gehen konnte.
00:05:40: Waren
00:05:40: sie gut vorbereitet?
00:05:41: Ja,
00:05:41: sehr gut vorbereitet das muss man sagen.
00:05:43: einmal wöchentlich fand als Stadt und es war auch ganz locker und ja man hat auch ein Praktikum gemacht noch.
00:05:52: also man wurde richtig gut in die arbeit eingeführt.
00:05:56: Jetzt haben wir über die verschiedenen Einsatzorte schon was gehört.
00:05:58: Wo sind Sie jetzt dann eingesetzt?
00:06:01: Ja, ich bin auf der Palliativstation im Jungstelling
00:06:04: und da haben sie dann einen festen Tag wo sie immer hinkommen
00:06:07: oder einmal in der Woche Freitas morgens fange so um halb acht viertel vor acht an.
00:06:13: das kann man sich aber aussuchen.
00:06:15: man kann dass selber wählen wie die Zeiten die man gerne haben möchte.
00:06:19: für mich war der freitag ganz okay Und dann mache ich dann so, fange mit dem Frühstück an.
00:06:24: Verteile das den Patienten auf Tabletts und knüpfe erst mal den ersten Kontakt wie gewünscht.
00:06:32: So geht es eigentlich den Vormittag weiter, dass man hier immer wieder in die Zimmer reingeht und auch kleine Handreichungen macht und Gespräche führt ... Ja!
00:06:47: Der Morgen ist relativ schnell rum, ganz schnell.
00:06:49: Dann ist schon halb zwölf, dann gibt's Mittagessen.
00:06:52: das verteile ich auch noch.
00:06:55: Also es ist ein gefüllter Vormittag!
00:06:58: Sie sind zum Teil in den Alltag einfach eingebunden und unterstützen so ein bisschen.
00:07:02: auf der Station Sprechen Sie auch manchmal Leute aus dem Team an?
00:07:07: Da braucht jemand besonders mal noch ein Gespräch oder
00:07:10: eine Zuwendung.
00:07:11: Ja, also es kommt vor, dass viele einem ganz viel Privates schon mal erzählen.
00:07:16: Das ergibt sich so, ne?
00:07:18: Manche Patienten haben sehr Gesprächsbedarf, manche nicht.
00:07:23: Also da passt man sich wirklich der Situation an und da muss man einen Feingefühl haben, dass man genauso im Laufe der Zeit entwickelt ... wie man auf Patienten zugeht, ob man fragt oder ob man sie lieber in Ruhe lässt.
00:07:38: Und ja dann ist es so dass es eine Situation gibt die mir zugetragen wird, die vielleicht die Schwester gar nicht weiß.
00:07:47: und dann erwähne ich das schon bei der Teambesprechung.
00:07:51: wir haben da noch immer ne Teambesprächung mit den Ärzten und mit den Schwestern und dann arbeitet man schon ein bisschen drauf zu.
00:08:00: Also so ein bisschen auch ins Team eingebunden?
00:08:02: Ja
00:08:02: genau Also ich bin bei diesen Teambesprechungen immer dabei.
00:08:07: Da bekommt auch morgens ein Übergabezettel, wo also steht Patient geboren wann was er hat und wie der Verlauf ist.
00:08:17: Man wird immer erst informiert dass man genau weiß wen hat man vor sich.
00:08:22: Wenden sich Patienten schon mal besonderen Wünschen an sie?
00:08:25: Ja!
00:08:26: Ich hab auch schonmal einen Patient, der wollte gerne mal nen Rühreihe haben oder Irgendwas unten aus der Cafeteria, Zeitungen oder einen besonderen Wunsch.
00:08:38: Oder auch mal Pomfritt?
00:08:40: Die
00:08:40: holen Sie dann, oder ... Ja,
00:08:42: ich bin schon mal inne.
00:08:44: Pomfrittebude nach einer Welt gefahren!
00:08:49: Es ist so, dass man wirklich versucht den Patienten auf der letzten Wegstrecke möglichst viele Wünsche zu erfüllen, die möglich sind.
00:09:00: Gibt es auch Situationen, in denen einfach nur Stille da ist?
00:09:03: Ja
00:09:03: ganz viele auch.
00:09:04: Ganz viele wo man nur am Bett sitzt wenn gewünscht eine Hand hält.
00:09:09: Auch das muss man so ein bisschen gefühlsmäßig raus bekommen.
00:09:13: möchte der Patient eine hand gehalten haben oder einfach nur da sitzen?
00:09:19: und ich frage auch schon mal darf ich noch sitzen bleiben?
00:09:24: wenn dann so ein leichtes nicken kommt dann ist es okay.
00:09:28: Es
00:09:29: ist ja vieles auch einfach aushalten und das ist manchmal gar nicht so leicht.
00:09:33: Man hat immer den Drang, man will helfen oder was sagen aber manchmal ist es besser mitzuschweigen und zutragen.
00:09:40: Genau!
00:09:41: Also das ist ganz wichtig dass man das rausfindet zu schweigen.
00:09:47: Schweigen ist manchmal mehr als reden.
00:09:50: Gibt's Begegnungen mit Menschen die sie besonders berührt
00:09:53: haben?
00:09:54: Ja, die gibt's.
00:09:55: Also es gibt Situationen wo also so im letzten Beispiel eine Mutter, neun, dreißig Jahre drei Kinder unheilbar krebserkrankt.
00:10:05: Die Kinder kommen besuchen ihre Mutter und es wird auch Station Waffeln gebacken und sie laufen da rum und sind bei der Mutter im Bett und dann geht man nach Hause anschließend.
00:10:18: Man sitzt im Auto oder muss erst mal... Auch eine Runde weinen, ne?
00:10:28: Das sind so Situationen wo man auf die Frage nach dem warum auch keine Antwort
00:10:33: bekommt.
00:10:33: Nein das ist...
00:10:35: Also
00:10:37: man bekommt keine Antwort und man sitzt da auch und kann keine Antwort geben!
00:10:42: Und das möchte ich auch gar nicht,
00:10:44: ne?!
00:10:44: Und
00:10:44: das müssen sie ja auch nicht,
00:10:46: also
00:10:46: das muss dann auch diesen Druck der Witte wahrscheinlich in diesem Kurs von einem genommen dass lösen muss oder alles auf alles eine Antwort haben muss.
00:10:56: Genau,
00:10:57: aber es ist nicht alles traurig glaube ich in ihrem Dienst?
00:11:00: Nein also ich habe auch ganz nette Begebenheiten.
00:11:04: also ich hatte zum Beispiel einer älter Dame die hatte auch keine Angehörigen das war ne Ärztin und sie bekam keinen Pflegeplatz.
00:11:14: Und der soziale Dienst kümmert sich ja auch um Pflegeplatz.
00:11:18: und unsere Ärztin sagte, wenn du mal fragen willst irgendwie in deinem bekannten Kreis ob die Frau M. sage ich jetzt mal einen Plägelplatz bekommen kann Ja und ich habe angerufen in einem Pflegeheim Die Dame hat ein Pflege Platz bekommen und die lebt heute noch.
00:11:35: Ich besuche sie schonmal
00:11:40: Hat Ihre Arbeit sehr viel mit dem Sterben direkt zu tun oder mehr mit dem Leben in einer besonderen Lebensphase?
00:11:48: Also auf Stationen palliativ haben Sie viel mit Sterben zu tun.
00:11:52: Das ist so, die Menschen sind austherapiert.
00:11:56: Vergangenen Freitag erlebte ich auch noch eine Situation.
00:11:59: Ich war vorher im Zimmer.
00:12:01: der Mann war noch volle Hoffnung und bekam dann im Arztgespräch gesagt dass nichts mehr möglich ist.
00:12:09: Dann erleben Sie diese Ohnmächtigkeit der Menschen.
00:12:17: Wie würden Sie es beschreiben, Frau Rabenau?
00:12:20: Ich denke, dass das sowohl als auch ist.
00:12:24: Ich erlebe sowohl im erfängelischen Hospiz als auch in den anderen Aufgabenbereichen, die ich eben Einsatzfeldern nannte.
00:12:34: Sowohl als auch immer da ist bis zum letzten Moment.
00:12:37: Es gibt ja auch immer noch Momente, die vielleicht schräg sind oder humorvoll und mit einem Lächeln belegt sind bis zuletzt.
00:12:50: Das gehört jetzt zu Menschen dazu ... Ich erlebe das ganz oft, dass im Hospiz sehr viel gelacht wird was nicht heißen soll die Diagnose davon weg wäre oder die Schwere, wird dadurch wahrscheinlich ein bisschen leichter.
00:13:09: So erlebe ich
00:13:10: das.
00:13:11: Ich denke, wahrscheinlich ist es ja so ein Prozess.
00:13:13: also wenn man jetzt diese Nachricht bekommt und das Leben endet und es ist definitiv ... Man kann nichts mehr machen!
00:13:20: Das ist halt dieser Schockmoment.
00:13:23: Und wenn man dann irgendwann sich mit dieser Aussage versöhnt hat sag' ich mal Ja und dann sagt okay aber ich habe noch eine wie auch immer Sieben dauern mögenden Restzeit hierher, dann kommt man vielleicht auch noch mal in ein intensiveres Leben hinein.
00:13:41: Ist das so richtig?
00:13:42: Das kann man glaube ich ganz gut so sagen ja es ist ein Prozess dass würde geht uns allen oder wird uns allen so vielleicht mal ergehen.
00:13:53: und diese Restzeit die ist so erlebe ich das häufiger intensiv behaftet auch nochmal mit ganz vielen Fragen, mit offenen Wünschen.
00:14:08: Und wir sind halt bemüht den Menschen auch die Menschen zu begleiten und auch wenn es möglich ist noch Wünsche zu erfüllen.
00:14:16: Was wünschen sich Menschen am Lebensende wirklich?
00:14:19: oder was erleben sie so?
00:14:22: Was ist so oft das Menschen vielleicht auch für eine Bilanz ziehen?
00:14:28: Kann man dazu irgendwas sagen...
00:14:30: Ja, also viele denken über ihr Leben noch mal nach.
00:14:34: Ich versuche dann auch möglichst die positiven Seiten nochmal hervorzuholen und dann kommen viele ans Erzählen und aus diesen schönen Erinnerungen erwächst dir auch ein Gefühl heraus dass man dankbar ist was man auch erlebt hat.
00:14:50: Und wenn man das so bei einem Menschen dann hört und denkt oh Mensch der hat ja er hat wie viel Enkel Er freut sich an seiner Familie und hat dies und jenes geleistet.
00:15:03: Das macht so Kranke auch wieder ein Stück weit froh, ne?
00:15:08: Und noch mal den Fokus zu richten auf das, was gut war und ist ... Ich erlebe das als Ergänzung jetzt gerade dazu oft so dass Menschen es geht sehr viel um Versöhnung.
00:15:21: Es geht sehr viele um Ordnung innen- und außenordnungen schaffen Um Um das Aufräumen dessen was noch als Rest irgendwo rumliegt, um in dem Bild mal zu bleiben.
00:15:36: Ja und um Frieden, innerend Frieden.
00:15:40: Sich auszühlen auch mit den... sich aussöhnen,
00:15:42: versöhnen ja.
00:15:45: Wir haben jetzt vorhin gehört.
00:15:47: also Sie haben diesen Kurs besucht.
00:15:49: diese Kurse gibt es immer noch.
00:15:51: die Ehrenamtlichen werden nicht einfach quasi raus geschickt sondern sie werden begleitet.
00:15:56: und wenn der Kurs abgeschlossen ist Haben die ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter noch Ansprechpartner?
00:16:04: Wie läuft das ab?
00:16:06: Genau.
00:16:06: Das läuft so ab, dass man am Ende dieses Ausbildungskurses ein Zertifikat erhält über diese Ausbildung und dass man befähigt ist auch in diesen Feldern zu arbeiten in der ehrenamtlichen Begleitung Und darüber hinaus ist es so, dass die Leute ja sowieso in ein Praktikum absolvieren während der Ausbildung um überhaupt herauszufinden.
00:16:30: In welchem Setting fühle ich mich denn selber am wohlsten oder wo sehe ich mich am meisten?
00:16:36: In der Begleitung.
00:16:37: Es gibt auch ehrenamtliche Menschen, die arbeiten lieber in einem Pflegeheim wie Frau Flick jetzt lieber auf einem in dem Setting einer Klinik auf einer Palliativstation und die Arbeit wird Immer supervidiert.
00:16:52: Es gibt immer Fallbesprechungen, es gibt Supervisionsangebote über das Jahr und es ist auch laut der Leitlinie verpflichtend.
00:17:00: an einem bestimmten Quantum teilzunehmen, damit die Arbeit auch ihre Qualität behält für beide Seiten.
00:17:06: Wir haben ja eine Verantwortung gegenüber dem Träger, gegenüber in erster Linie den Patienten, den Betroffenen und uns selbst gegenüber, dass wir das gut schaffen – in der Abgrenzung und auch in der Empathie und Zugewandtheit.
00:17:23: Sie begleiten ja die Menschen, dieser Endlichkeit selber konfrontiert sind, aber auch das sind ja immer auch Angehörige oder in der Regel auch An gehörige drumherum.
00:17:32: Wenn man jetzt eben von der jungen Mutter gehört ... wenn der Mensch älter ist dann ist es vermutlich eher die Kinder, die da sind oder ein Partner.
00:17:40: wie können sie da helfen und unterstützen?
00:17:44: Ja also das ist ja oft so dass man in einen Zimmer hineinkommt.
00:17:48: Man sieht den Kranken im Bett und die Angehöhren sitzen am Bett.
00:17:53: Ich versuche dann erst mal so eine Situation herauszukitzeln, zu gucken.
00:17:58: Wie ist die Stimmung in dem Zimmer?
00:18:00: Ist es eine Stimmung, die jetzt ganz traurig ist oder ist das eine Stimmung wo die noch ein bisschen scherzen mit ihrem Angehörigen?
00:18:08: und da versuche ich mich so ein bisschen einzufinden wenn es natürlich ne Stimmung ist wo die angehörigen ja ich hatte vor je Woche war eine junge Mutter die weinte dann versuche ich auch, das möglichst vom Kranken ein bisschen abzuhalten.
00:18:25: Dass man versucht, auch mal einen Einzelgespräch mit dem Angehörigen zu haben.
00:18:30: Das ist nicht so eskaliert in einem Krankenzimmer.
00:18:35: Die Angehören müssen ja auch mit ihren Gefühlen klarkommen und das ist oft sehr schwierig.
00:18:44: Der neuralgische Punkt ist häufig ... Menschen sich in den Prozessen an unterschiedlichen Punkten befinden.
00:18:52: Und die große Herausforderung ist für einen Begleiter oder ein Begleiterin, das mitzubekommen.
00:18:58: wo stehen die Leute?
00:18:59: Man kann das im Vorfeld häufig ja nicht festlegen worum soll es denn jetzt gehen und mit welchem Thema gehe ich da rein?
00:19:04: sondern wir sind bei denen, die gerade einen Anliegen oder einen Bedarf haben oder in einer Situation stehen, die wir vorher nicht wissen.
00:19:14: Also man geht quasi so einfach nur hinein in diese Situation und ist sehr auf seine Intuition angewiesen das mitzubekommen und das zu begleiten ohne übergriffig zu sein oder zu viel auch zu bewerten.
00:19:31: Das ist auch ein wesentlicher Punkt.
00:19:33: Eine hohe Anforderung stellt das an einen ehrenamtlichen Begleiterin, bei dem anderen sein zu können, zuhören zu können von sich selber absehen können.
00:19:47: Ist ein wesentliches Kriterium für die Bekleidung von sich selbst absehen.
00:19:54: Bei dem Anderen sein mitzubekommen also einen inneren Raum in sich selber haben, damit der andere davon Luft bekommt.
00:20:06: Raum bekommt.
00:20:09: Mhm.
00:20:09: Sehr viel fein Gefühl auch und
00:20:11: ... Genau.
00:20:12: Sie sagten eben, dass die sich an unterschiedlichen Positionen befinden.
00:20:17: Das heißt ja nicht immer, dass das linear verläuft dieser Prozess
00:20:22: ist.
00:20:22: Es kann ja auch sein Angehöriges an einem Tag.
00:20:26: davon überzeugt, das wird nichts mehr.
00:20:27: Und beim nächsten Mal hat er Hoffnung geschöpft und sagt doch, kriegen wir wieder fit hier?
00:20:31: Genau!
00:20:32: Müssen nur jetzt mal nach einem anderen Therapeuten oder was weiß ich gucken und dann findet sich bestimmt eine Möglichkeit...
00:20:37: So ist
00:20:37: es.
00:20:38: ...und da dann...
00:20:39: Das ist ein Wellental, einen Auf- und Ab der Emotionen, der Gedanken, der Situationen, dass er fordert ja sehr viel Kompetenzen Soft Skills, ne?
00:20:51: Ja, wie man so sagt.
00:20:54: Ist Frau Fleck jetzt so ein typischer Fall?
00:20:56: Jemand, der im Ruhestand ist und sagt, ich möchte noch der Gesellschaft was zurückgeben oder ich möchte etwas Sinnvolles machen.
00:21:02: Ich möchte für Menschen irgendwas machen.
00:21:04: Ist das sogar ganz typisch oder ist es eigentlich sehr bunt ihre Gruppe von Ehrenamtlichen, die sich engagieren, dass da jung und alt ... Männer und Frauen, ist das gleich verteilt?
00:21:19: Was Sie ansprechen mit der Verteilung.
00:21:21: Das ist nach wie vor immer noch ein bisschen ungleichgewichtig.
00:21:25: Der Anteil der Frauen in der ehrenamtlichen Begleitung
00:21:28: ist höher
00:21:30: als die der Männer.
00:21:31: also wir suchen halt auch immer brauchen auch immer noch die Kompetenzen der Männer und die herangehensweisen.
00:21:36: das ist ganz wichtig.
00:21:39: Da dürfen sich auch gerne Männer melden für diese Schulung.
00:21:42: Ansonsten ist es so, dass wir ein ganz breites Portfolio haben.
00:21:46: Wir haben jüngere Begleiterinnen ... Dabei im Team aber auch ältere Menschen.
00:21:53: Wir haben sogar im Hospiz eine Dame, die ist schon Ende-Siebzig und war früher Lehrerin.
00:22:00: Es ist total eine ganz, ganz fitte Person.
00:22:03: Das ist jetzt nur so ein Beispiel, wir haben da keine Strafealtersgrenze.
00:22:08: Und wir brauchen eben diese Vielfalt ... das heißt ja ein Motto der Hospizbewegung, der Hospizarbeit.
00:22:14: Hospiz ist Vielfald und die brauchen wir in den Begleitungen.
00:22:19: Menschen unterschiedlich sind und nicht auf jeden Menschen die gleiche Chemie passend ist.
00:22:27: Und Sie als Koordinatorin, Sie haben vorhin schon gesagt sie machen erst Gespräche.
00:22:31: wenn jetzt eine Anfrage kommt gehen Sie also in der Regel erstmal hin und sondieren wie ist die Lage?
00:22:38: Was braucht dieser Mensch?
00:22:39: und dann schauen Sie in Ihrer Gruppe wer könnte denn dazu passen?
00:22:45: Genau, also ich frage auch die Person sofern es möglich ist.
00:22:49: Es gibt ja auch Patienten wo man das nicht mehr so rausbekommen kann.
00:22:53: da ist es dann erforderlich dass man Angehörige mit einbezieht oder Pflegepersonal die den jeweiligen dann auch meist besser kennen.
00:23:03: Aber wenn es möglich ist, frage ich diesen Menschen, womit ich ihm Unterstützung geben kann.
00:23:08: Was er sich vielleicht auch vorstellt?
00:23:10: Was eine begleitende Person mitbringen darf.
00:23:16: Ich sag mal als Beispiel wir haben eine jüngere zu begleittene Person schwer erkrankt an einer neurologischen Erkrankung.
00:23:24: die war im Erstgespräch ... Die war nicht akutsterbend Begleiten die jetzt schon länger als zwei Jahre, zweieinhalb Jahre.
00:23:32: Und hat sich gewünscht, dass eine Person kommt, die mit ihr ganz viel Kopfarbeit macht, weil der Körper so immobil geworden ist ... Hat sich gewunscht, dass jemand mit ihr Spiele spielt und sich unterhält.
00:23:44: Das kann auch sein!
00:23:46: Dass das irgendwann mündet natürlich in die Sterbepegleitung?
00:23:52: Sie begleiten auch über einen längeren Zeitraum nicht nur wenn jemand dann quasi wo.
00:23:56: man weiß es dauert jetzt nur noch wenige Wochen.
00:23:59: Das gibt es auch und unser Wunsch als Dienst ist ja immer an diejenigen, die anrufen dass man nicht auf Kante genäht so spät kommt in eine Situation.
00:24:11: das gibt es zwar immer das gehört auch mit dazu aber der Wunsche ist dass man in eine Beziehung noch früher einsteigen kann um diesen Benefit für beide Seiten nochmal also insbesondere für den Betroffenen.
00:24:24: Ja das Vertrauen wächst natürlich dann erst über die Zeit.
00:24:27: genau
00:24:29: Was fehlt denn in unserer Gesellschaft im Umgang mit Sterben und Abschied?
00:24:35: Ja, was fehlt.
00:24:37: Was soll ich jetzt darauf sagen?
00:24:39: Das ist eine schwierige Frage würde ich sagen.
00:24:42: Was fehlt?
00:24:44: Menschen die sich bereit erklären bei Frau Rabenau einen Kurs zu machen und Zeit mitbringen?
00:24:51: Ich würde sagen Zeit.
00:24:52: Zeit ist ein ganz wichtiger Faktor Wenn ich in den Zimmer reinkomme und sage dem Patienten, Ich habe Zeit für sie.
00:25:00: Das ist oft ungewöhnlich, ne?
00:25:03: Weil auf manchen Stationen muss man einfach so sagen die kommen ja auch von anderen Stationen Ja aber hier ist ja so viel Zeit auf der Palliativstation das ist ja nicht so überall.
00:25:16: Und ich denke die Zuwendung zu einem Menschen ihm das Gefühl zu geben du bist wichtig Ich bin für dich da, auch für Dinge die tiefer gehen.
00:25:29: Die vielleicht in dein Herz hineingehen?
00:25:31: Man weiß es nicht!
00:25:32: Das muss man ja so ein bisschen rausfühlen.
00:25:35: Das finde ich sehr wichtig diese Menschlichkeit.
00:25:39: Wollen Sie noch was ergänzen?
00:25:41: Umgang mit Sterben und Tod in unserer Gesellschaft...
00:25:46: immer noch ein bisschen am Rande steht, weil es ein Thema ist was uns alle betrifft unausweichlich.
00:25:54: Alle betriften und immer noch schwer ist.
00:25:57: das ist es aber es ist besser geworden in den letzten Jahren.
00:26:00: durch die Hospiz Bewegung durch die hospiz Arbeit ist es in Summe offener geworden.
00:26:07: Und da es uns alle Betrifft Unausweicherlich macht es Sinn sich an guten Tagen sogar Wir haben es jetzt noch mal in der Praxis über eine Fortbildung so gesagt.
00:26:20: Wir sind beim Bestattungshaus Pützrot, in Bergisch-Klatbach in vierzehn Tagen sogar an Sommertagen.
00:26:28: sich diesem Thema zu nähern ist eine Chance damit einen guten Kontakt zu kommen wenn's einem noch gut geht und nicht erst dann wenns schon pressiert.
00:26:42: Es nimmt ja auch Angst, wenn man sich damit auseinandersetzt und sich Gedanken dazu macht.
00:26:49: Würden Sie sagen das es ein Privileg ist Menschen am Lebensende begleiten zu dürfen?
00:26:54: Ja also ich muss sagen ich persönlich bin da stolz drauf.
00:26:57: Muss ich jetzt mal ganz einfach so sagen Ich finde dass ich mache das sehr gerne.
00:27:02: Also, manche aus meinem bekannten Kreis die sagen ja könnten sie nicht.
00:27:07: Also nähe und hin und her.
00:27:09: aber wenn Sie da einmal hingehen und sehen wie dankbar die Menschen auch sind und wie viel Freude das macht dann gehen sie auch erfüllt nach Hause.
00:27:17: Das ist jetzt nicht so dass man da immer ganz traurig nach hause geht.
00:27:21: Man hat wirklich super Begegnungen und wird selber bereichert Kann ich nur Mut machen.
00:27:27: Es ist eine sehr sinnstiftende Arbeit und eine sehr erfüllende Aufgabe.
00:27:33: Weil das hat ganz viel mit den Kernbereichen, den Kernthemen des Lebens zu tun.
00:27:40: Und es ist auch eine Arbeit die Freude macht.
00:27:45: Nicht
00:27:45: nur Schwere mit sich
00:27:46: bringt.
00:27:47: Also man macht's gerne!
00:27:49: Das ist so der Haupttenor in dem Ganzen.
00:27:52: Wenn man das als Zwang sehen würde, wäre das nicht gut.
00:27:57: Eine große Werbung ... Den Kurs zu besuchen, auf jeden Fall.
00:28:02: Mein Kollege geht in seine wohlverdiente Pension und somit konnten wir in diesem Jahr keinen Ausbildungskurs anbieten mehr weil das einfach nicht mehr zeitlich passte und wir hoffen dass war das.
00:28:13: im Frühjahr nächsten Jahres ist es wieder am Start haben.
00:28:17: also herzliche Einladung.
00:28:20: Einfach durchklingeln oder eine E-Mail schreiben und in einen Erstkontakt
00:28:24: kommen?
00:28:24: Findet man immer die aktuellen Termine.
00:28:26: So
00:28:27: ist es, ganz genau!
00:28:29: Ja also ich nehme mit aus unserem Gespräch dass diese ambulante Hospizarbeit die bewusste Auseinandersetzung mit dem Tod ist aber auch eine bewusster Begleitung des Lebens Zeit, in der sich das Leben auf was Wesentliche verdichtet.
00:28:45: Und dass es oft kleine Gesten sind, Gespräche oder einfach nur das Dasein, was diese Arbeit prägt und ausmacht und die Zeit, das man Zeit einfach
00:28:55: mitbringt.
00:28:57: Vielen Dank Ihnen beiden!
00:28:58: Ihnen Frau Flick für Ihre sehr persönliche Sicht auf das Thema ... Und Ihre Erfahrungen und Ihnen, Frau Rabenau.
00:29:04: Dass Sie das so fachlich eingeordnet haben für uns und ergänzt haben mit dem was so an der Koordination steckt.
00:29:10: wir packen jetzt natürlich auch alle Links für sie in die Show Notes alle wichtigen Ansprechpartner.
00:29:16: es gibt ja wie Frau Rabenauch sagte viele Sachen im viele Angebote im Bereich Hospiz und Palliativversorgung Und da finden Sie viele Ansprechpartner, Infos zum ambulanten evangelischen Hospizdienst und zu unserem Kurs.
00:29:30: Den wir dann immer anbieten.
00:29:31: Finden sie auch auf unserer Website www.diakoni-swde.
00:29:36: Vielen Dank fürs Zuhören!
00:29:37: Abonnieren Sie gern diesen Podcast und hören Sie gerne mal wieder rein wenn es heißt Disport, Gesund und Sozial.
00:29:52: Tschüss!
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